Sollten Kinder mit LRS und Lernschwierigkeiten in den Ferien üben? Vor- und Nachteile und warum gerade in den Sommerferien regelmäßiges, kurzes Üben gegen das „Ferienvergessen“ hilft.
Kaum beginnen die Sommerferien, stellt sich vielen Eltern von Kindern mit LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) oder anderen Lernschwierigkeiten dieselbe Frage: Soll mein Kind in den sechs Wochen Sommerferien weiterlernen, oder braucht es einfach nur Erholung? Die ehrliche Antwort lautet: ein bisschen von beidem. In diesem Artikel erfährst du, welche Vor- und Nachteile das Lernen in den Ferien hat und warum gerade bei Legasthenie und Lernschwäche ein kleines Maß an regelmäßiger Übung während der langen Sommerferien so wichtig ist.
Warum die Sommerferien für Kinder mit LRS eine besondere Herausforderung sind
Sechs Wochen ohne Schule sind für jedes Kind eine willkommene Pause. Für Kinder mit LRS oder Legasthenie bergen sie aber ein besonderes Risiko: das sogenannte Ferienvergessen. Frisch erlernte Lese- und Rechtschreibstrategien sind bei diesen Kindern oft noch nicht so gefestigt und automatisiert wie bei anderen Kindern. Ohne regelmäßige Anwendung geraten diese Verknüpfungen im Gehirn schneller wieder in Vergessenheit – der mühsam erarbeitete Lernfortschritt kann in nur wenigen Wochen deutlich schrumpfen.
Das bedeutet nicht, dass die Ferien „durchgelernt“ werden müssen. Es bedeutet aber, dass ein völliger Lernstopp über sechs Wochen für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oft mehr schadet als nützt.
Die Vorteile von Lernen in den Ferien
1. Weniger Ferienvergessen, leichterer Wiedereinstieg Wer auch in den Ferien ab und zu übt, verhindert, dass mühsam aufgebautes Wissen wieder verloren geht. Der Schulstart nach den Sommerferien fällt damit deutlich leichter – ohne den frustrierenden Effekt, wieder „bei null“ anzufangen.
2. Lernrückstände lassen sich gezielt aufholen Die Ferien bieten Zeit und Ruhe, um ohne Notendruck an konkreten Schwächen zu arbeiten – sei es beim Lesen, beim Rechtschreiben oder bei der Rechtschreibstrategie. Viele Kinder mit Lernschwierigkeiten profitieren gerade davon, dass in der unterrichtsfreien Zeit mehr individuelle Aufmerksamkeit möglich ist als im vollen Schulalltag.
3. Selbstvertrauen aufbauen statt Frust im neuen Schuljahr Kinder, die spüren, dass sie über die Ferien nicht „abgehängt“ wurden, starten oft selbstbewusster ins neue Schuljahr. Kleine Erfolgserlebnisse beim Üben wirken sich positiv auf die Motivation aus.
4. Etablierung von Routinen Kurze, feste Lernzeiten – zum Beispiel 10 bis 15 Minuten am Tag – helfen manchen Kindern mit LRS sogar dabei, Struktur und Verlässlichkeit im Alltag zu behalten.
Die Nachteile von Lernen in den Ferien
1. Erholung bleibt auf der Strecke Ferien sind auch für Kinder mit LRS in erster Linie Erholungszeit. Zu viel Druck oder zu lange Lerneinheiten können genau das Gegenteil bewirken: Stress, Widerstand und eine noch stärkere Abneigung gegen das Lesen und Schreiben.
2. Motivationsprobleme und Machtkämpfe Gerade Kinder, die im Schulalltag ohnehin schon viel Frust mit dem Lesen und Schreiben erleben, empfinden zusätzliches Üben in den Ferien schnell als Bestrafung. Das kann zu Widerstand und familiären Konflikten führen.
3. Gefahr der Überforderung Wird zu viel oder zu intensiv geübt, kann das bei Kindern mit Legasthenie zu noch größerer Frustration führen, statt Fortschritte zu bringen – vor allem, wenn die Übungen sich zu sehr nach klassischem Schulunterricht anfühlen.
Der Mittelweg: Warum ab und zu üben in den Sommerferien sinnvoll ist
Die gute Nachricht: Es geht nicht um ein Entweder-oder. Bei sechs Wochen Sommerferien reicht es völlig aus, wenn regelmäßig, aber in kleinen, spielerischen Portionen geübt wird. Studien und Erfahrungswerte aus der Lerntherapie zeigen: Bereits kurze, aber wiederkehrende Übungseinheiten von 10 bis 20 Minuten, zwei- bis dreimal pro Woche, reichen aus, um das Gelernte zu festigen – ohne die Ferienstimmung zu zerstören.
Besonders wirkungsvoll sind Übungsformen, die sich nicht wie „Lernen“ anfühlen:
- Vorlesen im Urlaub oder gemeinsames Lesen spannender Geschichten
- Wörter-Ratespiele im Auto oder am Strand
- Kurze, spielerische Rechtschreibübungen am Vormittag, danach der restliche Tag frei
- Hörbücher kombinieren mit kurzen Schreibaufgaben
- Alltagsintegrierte Übungen, z. B. Einkaufslisten oder Postkarten schreiben
Wichtig ist dabei vor allem eine Sache: Kontinuität statt Intensität. Lieber dreimal pro Woche 15 Minuten als einmal wöchentlich eine Stunde Frontallernen.
Fazit: Lernen in den Ferien – ja, aber richtig dosiert
Für Kinder mit LRS, Legasthenie oder allgemeinen Lernschwierigkeiten gilt: Komplettes Nichtstun über sechs Wochen Sommerferien führt häufig zu spürbarem Rückschritt und einem schwierigen Wiedereinstieg nach den Ferien. Ununterbrochenes Lernen dagegen raubt wichtige Erholungszeit und kann die Motivation zusätzlich belasten.
Der beste Weg liegt in der Mitte: kurze, regelmäßige und möglichst spielerische Übungseinheiten, die das Gelernte festigen, ohne die Ferien zur Belastung werden zu lassen. So starten Kinder mit LRS entspannt, aber gut vorbereitet ins neue Schuljahr.
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