Häufige Mythen über Dyslexie – und wie du deinem Kind wirklich hilfst
Viele Mythen über Dyslexie verunsichern Eltern und Kinder. In diesem Artikel erfährst du, welche Irrtümer es gibt und wie du deinem Kind stattdessen wirklich helfen kannst.

Warum Mythen über Dyslexie so schädlich sind
Eltern hören häufig Sätze wie: „Das wächst sich aus.“ oder „Die Kinder üben einfach zu wenig.“ Solche Aussagen machen nicht nur Druck, sondern können das Selbstwertgefühl der Kinder stark verletzen. Sie geben das Gefühl, selbst schuld an den Schwierigkeiten zu sein. Dabei hat Dyslexie (LRS) nichts mit Faulheit, mangelnder Intelligenz oder zu wenig Übung zu tun.
Dyslexie ist eine anerkannte Teilleistungsstörung, die bleibt – aber mit der richtigen Unterstützung können Kinder trotzdem erfolgreich lernen und ihr Potenzial entfalten. Umso wichtiger ist es, mit den hartnäckigen Mythen aufzuräumen.
Mythos 1: „Das wächst sich aus.“
Vielleicht hoffst du, dass die Schwierigkeiten deines Kindes mit der Zeit von allein verschwinden. Doch das ist ein Irrglaube. Ohne gezielte Förderung bestehen die Schwierigkeiten in der Regel weiter – auch in höheren Klassenstufen und im Erwachsenenalter.
Das heißt aber nicht, dass dein Kind keine Fortschritte machen kann! Mit einer individuellen, fachlich angeleiteten Förderung verbessern sich seine Fähigkeiten Schritt für Schritt. Je früher du Unterstützung suchst, desto leichter lassen sich Frustrationen vermeiden.
👉 Wahrheit: Dyslexie bleibt, aber dein Kind kann lernen, mit ihr umzugehen und große Erfolge zu erzielen.
Mythos 2: „Das Kind ist nur unkonzentriert.“
Natürlich wirkt es oft so, als könnten betroffene Kinder sich nicht konzentrieren. Aber die Ursache liegt nicht in mangelnder Aufmerksamkeit, sondern darin, dass Lesen und Schreiben für sie viel mehr Anstrengung kostet als für andere Kinder.
Ein kurzer Text kann für ein Kind mit Dyslexie so ermüdend sein wie für andere eine ganze Klassenarbeit. Wenn die Konzentration dann nachlässt, ist das kein Zeichen von Faulheit, sondern schlicht eine Überforderung.
👉 Wahrheit: Konzentrationsprobleme entstehen durch die hohe Belastung, nicht durch fehlenden Willen.
Mythos 3: „Die Kinder üben einfach zu wenig.“
Vielleicht hörst du von Außenstehenden, dein Kind müsse nur mehr üben. Doch stundenlanges Wiederholen von Wörtern oder das zusätzliche Abschreiben von Texten bringt selten den gewünschten Erfolg.
Der Grund: Kinder mit Dyslexie brauchen eine ganz andere Art von Übung. Statt stumpfem Pauken brauchen sie strukturierte, kleine Lernschritte, die speziell auf ihre Schwierigkeiten abgestimmt sind. Förderprogramme setzen genau hier an – sie bauen aufeinander auf und ermöglichen nachhaltige Fortschritte.
👉 Wahrheit: Übung hilft nur, wenn sie methodisch und kindgerecht angeleitet wird.
Mythos 4: „Dyslexie bedeutet mangelnde Intelligenz.“
Dieser Mythos ist besonders verletzend – und komplett falsch. Kinder mit Dyslexie sind genauso intelligent wie ihre Mitschüler. Viele sind sogar besonders kreativ, haben ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen oder fallen durch ein starkes logisches Denken auf.
Das Lesen und Schreiben fällt ihnen schwer, weil ihr Gehirn Sprache auf eine andere Weise verarbeitet. Das bedeutet aber nicht, dass sie weniger klug sind. Manche berühmten Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Leonardo da Vinci oder Agatha Christie hatten ebenfalls Dyslexie – und haben dennoch Großes geleistet.
👉 Wahrheit: Dyslexie hat nichts mit Intelligenz zu tun.
So hilfst du deinem Kind wirklich
Statt Mythen weiterzugeben, kannst du viel dazu beitragen, dein Kind zu stärken:
Mut machen: Sätze wie „Ich glaube an dich“ oder „Du schaffst das!“ geben mehr Kraft als jeder Nachhilfeplan.
Aufklären im Umfeld: Sprich mit Lehrkräften, Verwandten oder Freunden über Dyslexie, damit dein Kind nicht unfair beurteilt wird.
Wertschätzende Sprache: Sag lieber „Mein Kind lernt anders“ statt „Er kann’s nicht“. Das ändert den Blickwinkel.
Fachliche Unterstützung suchen: Lerntherapie, gezielte Förderprogramme oder Fachliteratur helfen dir und deinem Kind weiter.
Selbstwert stärken: Achte darauf, dass dein Kind stolz auf seine Stärken sein darf – sei es im Sport, in der Kunst oder im sozialen Miteinander.
Fazit: Mythen loslassen, Kinder stärken
Dyslexie ist keine Frage von Fleiß oder Konzentration – und sie wächst sich auch nicht einfach aus. Mythen wie diese verunsichern Eltern und Kinder unnötig. Wenn wir sie durch Fakten ersetzen, entsteht Raum für echte Unterstützung.
Du kannst viel bewirken, indem du aufklärst, wertschätzend sprichst und dein Kind gezielt fördern lässt. Je besser du die Bedürfnisse deines Kindes verstehst, desto mehr wächst sein Selbstvertrauen – und genau das ist die Basis für erfolgreiches Lernen.
👉 Tipp für dich: Wenn du dich weiter informieren möchtest, lies auch meinen Artikel zum Thema Nachteilsausgleich bei LRS. Dort erfährst du, welche Rechte dein Kind in der Schule hat und wie du diese einfordern kannst.



